Spechtarten in Deutschland: Diese heimischen Spechte kannst du beobachten

Spechtarten Deutschland

Wenn du in deutschen Wäldern, Parks oder sogar Gärten unterwegs bist, begegnen dir faszinierende gefiederte Baumeister: die heimischen Spechte. Möchtest du wissen, welche Spechtarten du mit etwas Glück entdecken kannst und was sie so besonders macht, dann bist du hier genau richtig. Hier erfährst du alles Wichtige über die verschiedenen Spechtarten Deutschlands und wie du sie erkennen kannst.

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Die Vielfalt der Spechte in Deutschland

Deutschland beherbergt eine beeindruckende Bandbreite an Spechtarten, die sich in Größe, Lebensraumansprüchen und Verhalten unterscheiden. Von den auffälligen Buntspechten bis hin zu den eher unauffälligen Mittelspechten – jeder hat seinen eigenen faszinierenden Lebensstil. Ihre Bedeutung für das Ökosystem ist immens, denn sie sind nicht nur Holznagler, sondern auch wichtig für die natürliche Schädlingsbekämpfung und als Baumeister für viele andere Tierarten, die ihre verlassenen Höhlen als Brutplatz nutzen.

Der Specht als Schlüsselart im Wald

Spechte werden oft als Schlüsselarten in Waldökosystemen bezeichnet. Ihre Fähigkeit, in lebendes oder totes Holz zu klopfen, um Insektenlarven und andere Wirbellose zu erreichen, hilft, den Holzabbau zu beschleunigen und Krankheitserreger zu kontrollieren. Gleichzeitig schaffen sie durch das Klopfen und Höhlenbau neue Lebensräume. Die von ihnen angelegten Brutplätze sind essenziell für zahlreiche Höhlenbrüter, von kleinen Singvögeln wie Meisen und Kleiber bis hin zu Fledermäusen und sogar Eulen. Ohne Spechte würde sich die Struktur und Artenvielfalt vieler Wälder drastisch verändern.

Die häufigsten heimischen Spechtarten im Überblick

In Deutschland kannst du einer Reihe von faszinierenden Spechtarten begegnen. Hier stellen wir dir die bekanntesten und am häufigsten vorkommenden Arten vor, die du mit etwas Geduld und dem richtigen Blick für das Detail beobachten kannst.

1. Der Buntspecht (Dendrocopos major)

Der Buntspecht ist wohl der bekannteste und am weitesten verbreitete Specht in Deutschland. Er ist mittelgroß und hat ein auffälliges schwarz-weißes Gefieder mit einer roten Bauchunterseite. Männchen und Jungvögel besitzen zudem einen kleinen roten Fleck im Nacken. Sein Lebensraum ist sehr vielfältig; er bewohnt Wälder aller Art, Parks, Gärten und sogar Friedhöfe. Du erkennst ihn oft an seinem lauten Klopfen und dem Ruf „ick-ick-ick“. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, aber auch Samen, Nüsse und Früchte stehen auf seinem Speiseplan. Die Brutzeit ist meist von April bis Juli, und er baut seine Nisthöhlen bevorzugt in Totholz oder älteren Bäumen.

2. Der Grünspecht (Picus viridis)

Der Grünspecht ist ein auffälliger Vogel mit einem überwiegend grünen Gefieder, einem roten Scheitel und einem schwarzen Bartstreif. Anders als viele andere Spechte verbringt er viel Zeit auf dem Boden, wo er mit seinem kräftigen Schnabel Ameisen und deren Larven sucht – seine Hauptnahrung. Du kannst ihn oft auf offenen Flächen, Wiesen und an Waldrändern antreffen. Sein Ruf ist ein lautes, lachendes „glü-glü-glü“, das er häufig hören lässt. Die Brutzeit liegt meist zwischen Mai und August, und er gräbt seine Höhlen bevorzugt in das Erdreich an Böschungen oder in lockeres Holz.

3. Der Schwarzspecht (Dryocopus martius)

Der Schwarzspecht ist die größte heimische Spechtart und mit seinem komplett schwarzen Gefieder und dem roten Scheitel (beim Männchen und Weibchen) sehr markant. Er bevorzugt alte, naturnahe Laub- und Nadelwälder mit einem hohen Anteil an Totholz. Seine Trommeln sind sehr laut und weitreichend, und sein Ruf ist ein schrilles, lautes „kliiiä“. Der Schwarzspecht ist ein wichtiger Baumeister, da seine großen Höhlen auch von anderen Tieren genutzt werden. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, insbesondere Ameisen, die er aus Baumstämmen und dem Boden holt. Die Brutzeit erstreckt sich von April bis Juli.

4. Der Kleinspecht (Dendrocopos minor)

Der Kleinspecht ist die kleinste heimische Spechtart und kaum größer als ein Spatz. Sein Gefieder ist oberseits schwarz-weiß gemustert, und die Unterseite ist heller. Männchen und Jungvögel haben einen roten Scheitel. Er bewohnt feuchte Laub- und Mischwälder, Auenwälder und Parks mit vielen alten Bäumen und stehendem Totholz. Im Gegensatz zu vielen anderen Spechten klopft er oft an dünneren Ästen und Stämmen nach Insekten. Sein Ruf ist ein kurzes, helles „ick“. Die Brutzeit ist von Mai bis Juli, und er baut seine kleinen Höhlen in dünneres Totholz.

5. Der Mittelspecht (Dendrocopos medius)

Der Mittelspecht ist eine eher seltene und scheue Spechtart, die sich durch ihr auffälliges rotes Stirn- und Scheitelgefieder auszeichnet, das bei beiden Geschlechtern vorhanden ist. Sein Oberseite ist schwarz-weiß, die Unterseite hellrot gesprenkelt. Er bevorzugt alte, lichte Laubwälder mit Eichen und Buchen sowie Parks und Streuobstwiesen. Seine Nahrung besteht vor allem aus Insekten, die er in der Baumrinde sucht, sowie aus Früchten und Sämereien. Du erkennst ihn an seinem trommelnden Geräusch, das oft als schneller und leiser als das des Buntspechts beschrieben wird. Die Brutzeit ist von April bis Juni.

6. Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus)

Der Dreizehenspecht ist an seinen drei Zehen (statt der üblichen vier bei Spechten) und seinem überwiegend schwarz-weiß gefärbten Gefieder mit einem hellen Rücken erkennbar. Männchen haben einen gelbroten Scheitel. Diese Art bewohnt bevorzugt alte, naturnahe Nadelwälder mit einem hohen Anteil an Totholz und Borkenkäferbefall. Er ernährt sich hauptsächlich von Insektenlarven, die er aus morschem Holz holt. Sein Trommeln ist leise, und sein Ruf ist ein scharfes „kik“. Die Brutzeit ist von Mai bis Juli. Er ist eher in den Bergregionen Deutschlands anzutreffen.

7. Der Wendehals (Jynx torquilla)

Der Wendehals gehört zwar zur Familie der Spechte, sieht aber auf den ersten Blick anders aus. Er hat ein sehr getarntes, braun-grau gemustertes Gefieder, das ihn gut vor Fressfeinden schützt. Seine langen Krallen sind nicht zum Klettern, sondern zum Festhalten an Ästen gedacht. Sein Name kommt von seiner Fähigkeit, seinen Hals um fast 360 Grad zu drehen und bei Bedrohung ein zischendes Geräusch zu machen. Er ist ein Zugvogel und überwintert in Afrika. Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Ameisen. Du findest ihn in lichten Wäldern, Parks und auf Streuobstwiesen. Die Brutzeit ist von Mai bis Juli.

Spechtarten Deutschland

Steckbriefe der heimischen Spechte

Um die Unterscheidung der verschiedenen Arten zu erleichtern, hier eine Übersicht in Tabellenform. Achte auf die spezifischen Merkmale jedes Spechts, um sie sicher identifizieren zu können.

Merkmal Buntspecht Grünspecht Schwarzspecht Kleinspecht Mittelspecht Dreizehenspecht Wendehals
Größe Mittel (ca. 23 cm) Groß (ca. 30 cm) Sehr groß (ca. 45 cm) Klein (ca. 15 cm) Mittel (ca. 20 cm) Mittel (ca. 23 cm) Mittel (ca. 17 cm)
Gefieder (Oberseite) Schwarz-weiß, Rücken weiß Grün Schwarz Schwarz-weiß, weißer Bürzel Schwarz-weiß, rote Stirn Schwarz-weiß, heller Rücken Braun-grau gemustert
Gefieder (Unterseite) Weiß, rote Flecken Gelb-grün, dunkle Sprenkel Schwarz Weißlich, dunkle Sprenkel Hellrot gesprenkelt Hell, schwarz gesprenkelt Hell, dunkle Sprenkel
Besonderheiten Roter Nacken (Männchen/Jungvögel) Roter Scheitel, schwarzer Bartstreif Roter Scheitel (beide Geschlechter) Sehr klein, roter Scheitel (Männchen/Jungvögel) Rote Stirn/Scheitel (beide Geschlechter) Drei Zehen, gelber Scheitel (Männchen) Getarntes Gefieder, dreht Hals
Lautäußerung (Ruf) Schnelles „ick-ick-ick“ Lautes, lachendes „glü-glü-glü“ Lautes, schrilles „kliiiä“ Helles, kurzes „ick“ Schnelles, leises Trommeln Scharfes „kik“ Zischen bei Bedrohung
Bevorzugter Lebensraum Wälder, Parks, Gärten Offene Flächen, Wiesen, Waldränder Alte Laub- und Nadelwälder Feuchte Wälder, Parks mit Totholz Lichte Laubwälder, Parks, Streuobstwiesen Alte Nadelwälder mit Totholz Lichte Wälder, Parks, Streuobstwiesen
Nahrung Insekten, Samen, Früchte Ameisen Ameisen, Insektenlarven Insekten Insekten, Früchte, Samen Insektenlarven aus Holz Ameisen

Wann und wo kannst du Spechte am besten beobachten?

Die beste Zeit, um Spechte zu beobachten, ist oft der frühe Morgen und der späte Nachmittag. In diesen Phasen sind sie am aktivsten auf Nahrungssuche. Achte auf ihre charakteristischen Rufe und das Klopfen, das dir den Weg weist. Wälder mit einem guten Anteil an alten Bäumen und Totholz sind ideale Habitate. Auch Parks und größere Gärten mit alten Baumbeständen können gute Beobachtungsorte sein. Sei geduldig und bewege dich leise, um die Vögel nicht zu erschrecken. Oft verrät dir ein Specht seine Anwesenheit schon lange bevor du ihn siehst.

Die Rolle des Holzes für Spechte

Holz ist für Spechte essenziell. Sie benötigen es zum Bau ihrer Brutplätze, zur Nahrungssuche und manchmal auch zur Futterlagerung. Totholz spielt dabei eine herausragende Rolle. In totem Holz leben zahlreiche Insekten, deren Larven eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Zudem ist Totholz weicher und erleichtert das Hacken von Nisthöhlen. Wälder mit einem natürlichen Aufkommen an abgestorbenen Bäumen bieten daher optimale Bedingungen für viele Spechtarten. Die Baumhöhlen, die Spechte selbst schaffen, sind später Lebensraum für viele andere Tierarten, die selbst keine Höhlen bauen können. Dies unterstreicht die ökologische Bedeutung von Spechten und totem Holz für die Biodiversität.

Herausforderungen und Schutz der Spechtpopulationen

Leider sind einige Spechtarten durch Lebensraumverlust und intensive Forstwirtschaft bedroht. Der Rückgang von Totholz und die Monokulturen in der Forstwirtschaft reduzieren die Nahrungsverfügbarkeit und die Möglichkeiten zum Höhlenbau. Der Wendehals beispielsweise leidet unter dem Verlust von Streuobstwiesen und alten Obstbäumen. Der Schutz von naturnahen Wäldern, die Erhaltung von Totholz und die Förderung von Mischwäldern sind daher entscheidende Maßnahmen, um die Populationen der heimischen Spechte zu sichern. Auch das Anbringen von Nisthilfen kann in bestimmten Fällen unterstützen, wobei natürliche Höhlen immer zu bevorzugen sind.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Spechtarten in Deutschland: Diese heimischen Spechte kannst du beobachten

Warum klopfen Spechte an Bäumen?

Spechte klopfen aus verschiedenen Gründen. Hauptsächlich dient das Klopfen der Nahrungssuche: Sie suchen unter der Rinde nach Insektenlarven, Käfern und Ameisen. Des Weiteren ist das Klopfen eine Form der Kommunikation, sei es zur Reviermarkierung oder zur Partnerwerbung. Auch der Bau von Nisthöhlen, das sogenannte Höhlenklopfen, ist eine wichtige Funktion des Klopfens.

Wie unterscheidet man Männchen und Weibchen bei Spechten?

Bei vielen Spechtarten gibt es sichtbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Oft haben die Männchen einen auffälligeren roten Fleck im Nacken oder auf dem Scheitel, während die Weibchen dort schwarz-weiß gemustert sind, wie zum Beispiel beim Buntspecht. Beim Schwarzspecht tragen beide Geschlechter einen roten Scheitel. Beim Mittelspecht ist die rote Stirn bei beiden Geschlechtern vorhanden. Bei einigen Arten, wie dem Grünspecht, sind die Unterschiede weniger ausgeprägt und oft nur durch feine Nuancen im Gefieder oder durch das Verhalten zu erkennen.

Sind alle Spechte Standvögel oder Zugvögel?

Die meisten heimischen Spechtarten sind Standvögel, das heißt, sie bleiben das ganze Jahr über in ihrem Lebensraum. Dazu gehören zum Beispiel der Buntspecht, der Schwarzspecht und der Dreizehenspecht. Eine Ausnahme bildet der Wendehals, der ein typischer Zugvogel ist und den Winter in Afrika verbringt. Auch der Grünspecht kann in kälteren Regionen vereinzelt Zugbewegungen zeigen, ist aber überwiegend Standvogel.

Warum findet man Spechte oft auf dem Boden?

Nicht alle Spechte suchen ihre Nahrung ausschließlich im Holz. Der Grünspecht ist dafür bekannt, viel Zeit auf dem Boden zu verbringen, um dort nach Ameisen zu suchen. Auch der Wendehals ernährt sich primär von Ameisen, die er am Boden und in Bodennähe findet. Diese Arten haben sich auf diese spezielle Nahrung spezialisiert und sind daher häufiger auf offenen Flächen anzutreffen als ihre Artgenossen, die sich hauptsächlich von Insekten im Holz ernähren.

Was frisst ein Specht im Winter?

Im Winter stellen viele Spechte ihre Ernährung um, da die Insektenaktivität stark zurückgeht. Sie weichen dann auf Samen, Nüsse, Beeren und Früchte aus. Buntspechte sind dafür bekannt, Zapfen in sogenannten „Spechtschmieden“ zu verkeilen, um die Samen herauszupicken. Auch das Anzapfen von Saftleitungen junger Bäume kann im Winter vorkommen. Wenn die Gelegenheit besteht, werden auch Wirbeltiere wie Mäuse oder Jungvögel erbeutet, obwohl dies eher die Ausnahme ist.

Wie kann ich Spechten helfen?

Du kannst Spechten auf verschiedene Weisen helfen. Eine wichtige Maßnahme ist die Unterstützung der natürlichen Waldstrukturen. Indem du die Schaffung von Totholz duldest oder förderst und auf chemische Schädlingsbekämpfung verzichtest, schaffst du wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen. In Gärten kann das Anpflanzen heimischer Sträucher und Bäume, die Insekten beherbergen, ebenfalls förderlich sein. Wenn du einen Baum mit einer Spechthöhle hast, lass diese erhalten, sie ist ein wertvoller Brutplatz. Manche Gartenbesitzer bauen auch künstliche Nisthöhlen für Spechte, was eine sinnvolle Ergänzung sein kann, um den Lebensraum zu verbessern.

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